Keine Sorge, es werden hier keine „10 Tipps im Umgang mit der Krise“ „verraten“. Jeder, der etwas länger in der Unternehmenskommunikation tätig ist, hat sicher schon einmal eine Krise begleitet. Alle anderen werden irgendwann ihre eigenen Erfahrungen dazu machen. Gutgemeinte Ratschläge sind in dieser Krise ähnlich hilfreich wie vermeintlich umsichtige Eltern, die ihrem Kind beim Schaukeln zurufen „fall nicht runter“.
Diese Krise ist anders
Versuchen wir also einige Parameter dieser speziellen Krise zu identifizieren, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
- Die Intensität: Man stelle sich vor, schon zu Jahresbeginn hätten die Regierungsverantwortlichen den „Shutdown“ in Österreich angedeutet. Wir hätten einen derart radikalen Schritt zum damaligen Zeitpunkt für völlig überzogen gehalten. Und noch im März deuteten Medienberichte auf einen kurzen und verkraftbaren Einbruch der Wirtschaft. Link: https://kurier.at/wirtschaft/die-krise-in-oesterreich-einbruch-scharf-aber-bestenfalls-kurz/400793360
Erst mit den Regierungs-Pressekonferenzen zu Corona, Anfang April, bekamen wir eine Ahnung von der Dringlichkeit der ersten Maßnahmen. Was später folgte, wird in die Geschichte eingehen. - Das Ausmaß: Was als chinesisches Problem begann, das wir aus sicherer Distanz mitunter fassungslos bestaunten, entwickelte sich bald zu einem weltweiten Problem. Woche für Woche wurde ein neues Land mit seiner eigenen Dramaturgie belegt. Ein Unbehagen, ob des dramatischen Ausmaßes, kroch einem zusehends in die Knochen.
- Das Krisenthema: Nicht nur das Coronavirus ist neu, das ganze Thema ist neu. Wir sind besser vertraut mit Bestechungs-, Wirtschafts- und Politskandalen. Epidemie und Pandemie wie SARS, Ebola, HIV kannten wir Österreicher*innen primär aus fernen Ländern.
- Die Ungewissheit: „Normale Krisen“ haben immer einen ähnlichen Verlauf. Vor allem haben sie eine klares Ende. Das Drehbuch könnte in etwa so aussehen: Es ist etwas passiert, es gibt Schuldige, der Schaden wird behoben, alle geloben Besserung und weiter im Geschäft. Die Coronakrise ist keine normale Krise. Wir wissen nicht, wie und/oder wann sie enden wird. Während die einen schon eine Normalität heraufbeschwören, blicken die anderen weiter mit großer Skepsis, wenn nicht gar mit Furcht in die Zukunft. Es könnte jederzeit eine neue Welle über uns kommen. Wir wissen es schlicht nicht.
- Die Schuldigen: in der normalen Krise (ausgenommen Naturkatastrophen) gibt es Verursacher, Schuldige, die zur Verantwortung gezogen werden können. Wer soll das in der Coronakrise sein? Die Schuppentieren, die Fledermäuse? Die Chinesen? Die WHO? Übrigens: hier ist eine gute Erklärung über die vermuteten Ursachen und Verbreitung.
- Das Unbekannte: Viele Spekulationen, vage Schätzungen und wenige Fakten umranken das COVID-19 Virus. Der Gastkommentar und die Veröffentlichung des Manuskriptes „COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen“ von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt vom 7.4.2020 in der Schweizer „Die Mittelständische Zeitung“ ist eine absolute Leseempfehlung.
Die Corona-Krise ist anders. Jeder muss lernen damit umzugehen. Auch wir in der Kommunikation lernen täglich dazu. Die 10 Tipps im Umgang mit der Coronakrise sparen wir für später. Wir werden sie von hinten aufrollen und dann hoffen, dass wir sie lange nicht brauchen werden.
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